Schon mit 16 Jahren verfocht die Reporterin und Autorin Elfriede Brüning (1910-2014) in ihrer ersten Publikation die Selbstbestimmung der Frau über den eigenen Körper. In der Bewegung der ´Neuen Frau` der Zwanziger Jahre stellte sie heraus, dass frau dieses Ziel mit der eigenen Berufstätigkeit am ehesten erreiche. Damit widersprachen auch die Texte, die sie während des Nationalsozialismus publizierte – zu dessen illegal arbeitendem Widerstand sie gehörte – dem damals propagierten Frauenbild. Mit ihren nie aufgegebenen feministischen Ansprüchen an die sexuelle Selbstverwirklichung der Frauen war Brünings
Literatur auch der Frauenpolitik der DDR weit voraus, wo soziale Erleichterungen für arbeitende Mütter nur schrittweise eingeführt und Abtreibung erst 1972 legalisiert wurden. Ein wichtiger Teil ihres auch in der Bundesrepublik noch fortgesetzten Alterswerks war der Verteidigung der Rechte alter Frauen gewidmet. Da Brüning früh auch schon die Problematik der Kinder arbeitender Frauen in ihre Texte einbezog, ist die konfliktreiche Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Hauptthema ihrer Literatur zu erkennen, welches nichts an aktueller Brisanz verloren hat. Dr. Sabine Kebir ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin. Sie lebte und lehrte 1977-1988 an algerischen Universitäten und arbeitet seitdem als freie Publizistin in Berlin für Radio, Zeitungen und TV. Ein großer Teil ihrer Buchpublikationen beschäftigt sich mit Fragen der Frauenemanzipation im europäischen und islamischen Kontext. Zum Ausklang des Abends treffen wir uns bei einem kleinen Imbiss im Vorraum des Kinos.
Mit Unterstützung von AG LISA bei der Partei DIE LINKE und Landesfilmdienst Sachsen e.V.


– Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Erinnerungspolitik hinter, vor und nach dem ‚Eisernen Vorhang'“:

Die Studie „Widerstand, nicht Resignation“ schildert Bildung und Arbeitsweise der großen Leipziger Widerstandsgruppe von 40 Mitgliedern der linkssozialdemokratischen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Sie wurde 1935 durch zwei NS-Spitzel, die in die Dresdner sächsische Landesleitung der SAP eingedrungen waren, erkannt. Alle Mitglieder wurden in zwei Prozessen, einem in Dresden, der andere vorm NS-Volksgerichtshof in Berlin zu -teils hohen- Zuchthausstrafen verurteilt. Die Darstellung erfolgt nach den Prozessprotokollen und nach Erinnerungen von Mitgliedern der Widerstandsgruppe. Einige Mitglieder werden eingehender biographisch geschildert. In einem gesonderten Teil wird die viel diskutierte Thematik der seinerzeit und auch nach 1945 kritisierten Gründung [1931] der demokratisch-sozialistischen Partei SAP gegenüber SPD und KPD auf Grundlage von Originaldokumenten neu beurteilt. Ein Exkurs ergänzt kulturelle Voraussetzungen solchen Widerstandsentschlusses, die über politische Bildung der entschlossenen Sozialdemokraten hinausgehen.