Solidarität mit der Bundesvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e. V.! Wie die Bundesvereinigung heute bekannt gemacht hat, wurde ihr durch das Finanzamt für Körperschaften I des Landes Berlin die Gemeinnützigkeit Anfang November rückwirkend aberkannt. Die Bundesvereinigung ist daher in ihrer Existenz bedroht und mit einer hohen Steuerrückforderung konfrontiert.
Der VVN-BdA Leipzig e. V. als Mitglied des Landes- und Bundesverband des VVN-BdA und die unterschreibenden Vereine und Verbände erklären sich solidarisch mit der Bundesvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e. V. und fordern die sofortige Rücknahme der entzogenen Gemeinnützigkeit für den Verein!
Wir Antifaschistinnen und Antifaschisten des VVN-BdA Leipzig erklären hierzu:
„Wir verstehen die Entziehung der Gemeinnützigkeit als direkten Angriff auf unsere antifaschistische Arbeit, die in Zeiten des organisierten rechten Terrors durch den NSU, der Gruppe Freital oder einem antisemitischen und rassistischen Anschlag wie dem von Halle umso notwendiger geworden ist. Wir sind nicht bereit hinzunehmen, dass unser Engagement behindert oder verunmöglicht wird: sei es in der Erinnerungsarbeit an die Verbrechen des Nationalsozialismus aber auch als Bündnispartner*in bei den Protesten gegen PEGIDA/Legida und gegen die AfD als ‚den parlamentarischen Arm des Rechtsterrorismus‘ oder andere rassistische und neofaschistische Gruppen.“
Grundlage der Entscheidung des Berliner Finanzamtes ist die Darstellung des bayrischen Verfassungsschutzes, die Landesvereinigung Bayern der VVN-BdA sei „linksextremistisch beeinflusst“. Trotz wiederholter gerichtlicher Anfechtung dieser Aussage durch die bayrische VVN-BdA sowie andere durch die Einschätzung diskreditierte Landesvereinigungen wird mit diesem Bescheid der Bundesvereinigung die Arbeitsgrundlage entzogen.
Noch verheerender ist die Umkehr der Beweislast in der Argumentation des Bescheides: Nicht Finanzamt oder Verfassungsschutz müssen beweisen, dass ein Verein verfassungswidrig handelt, sondern die Organisation muss ihre Verfassungstreue beweisen. Wie soll das gehen? Es braucht Rechtssicherheit für die Vereine, wie dies von der Allianz „Rechtssicherheit für politische Willensbildung“, der die Bundesvereinigung der VVN-BdA auch angehört, seit langem gefordert wird. Hier Finanzminister Olaf Scholz aufzufordern tätig zu werden, fällt uns angesichts der heutigen Berichte über dessen Pläne das politische Engagement von Vereinen de facto zu bestrafen, schwer.
Antifaschistische Bildungs- und Aufklärungsarbeit ist wichtig und notwendig! Und dazu gehört auch die Arbeit des Verfassungsschutzes zu kritisieren und seine Abschaffung zu fordern. In Sachsen scheiterte der VS mit dem Versuch alternative Jugendkultur als linksextremistisch zu kennzeichnen, wie die erfolgreiche Klage der Bands Dr. Ulrich Undeutsch, east german beauties, Endstation Chaos und One Step Ahead kürzlich zeigte.
Erfolgreiche Klagen gegen die Nennung im VS-Bericht sind das eine. Das andere die Aufforderung an Gemeinden und Städte bei geplanten Kulturveranstaltungen die kriminalisierenden Auskünfte des VS zu hinterfragen.
Die VVN-BdA hat seit ihrer Gründung vor mehr als 70 Jahren wichtige Erinnerungsarbeit geleistet. Sie hat Gedenken initiiert und gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Verbrechen protestiert. Unser Verband – gegründet von Widerstandskämpfer*innen und Überlebenden der Vernichtungspolitik der Nazis und ihren Angehörigen – hat sich um deren Belange in den letzten Jahrzehnten gekümmert. Und wir werden diese Aufgabe auch weiterhin für die letzten Überlebenden des NS-Terrors aber auch die Angehörigen der zweiten und dritten Generation tun!
Wir fordern die sofortige Anerkennung der Gemeinnützigkeit für unsere Bundesvereinigung und die Rücknahme des Entzuges!
Wir fordern Unterstützung und Anerkennung für alle Gruppen und Initiativen, die – wie wir – mit großem ehrenamtlichen Engagement unsere Gesellschaft gegen rassistische, antisemitische, neofaschistische und menschenfeindliche Angriffe verteidigen!
Antifaschismus ist nicht kriminell und nicht extremistisch – Antifaschismus ist extrem wichtig!
Mitzeichner:
Gruppen / Initiativen:
AKuBiZ e. V., Pirna
Attac Leipzig
Bildungsverein Parcours e. V.
BO Wilder Osten
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V. (DFG-VK) Landesgruppe Ost
DIE LINKE. Leipzig Anger-Crottendorf / Reudnitz / Thonberg
DIE LINKE. Leipzig
Dr. Margarete Blank Gedenkstätte Panitzsch
Erich Zeigner Haus e. V.
Erinnern an NS-Verbrechen in Leipzig e.V. / Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
FAU Leipzig
Friedensweg Leipzig e. V.
Friedenszentrum Leipzig e. V.
Jule Nagel (MdL) / Linxxnet
Jusos Leipzig
Landesverband Sachsen der Sozialistischen Jugend – Die Falken
Leipzig nimmt Platz
Netzwerk für Demokratische Kultur e. V., Wurzen
Prisma – interventionistische Linke Leipzig
Roter Stern Leipzig
Radsportgruppe Roter Stern Leipzig
Rote Wende Leipzig
sLAG – sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Stadtbezirksverband DIE LINKE. Leipzig Ost
Einzelpersonen:
Luise Neuhaus-Wartenberg (MdL, Dritte Vizepräsidentin des sächsischen Landtages)
Franz Sodann (MdL, Sprecher für Kulturpolitik, Verbraucher*innenschutz, Gedenk-/Erinnerungskultur, Denkmalschutz)
Monika Lazar (MdB, Bündnis 90 / Die Grünen)
Sören Pellmann (MdB, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Leipziger Stadtrat)
Dr. Adam Bednarsky (Vorsitzender DIE LINKE. Leipzig)
Stefan Hartmann (Vorsitzender DIE LINKE. Sachsen)
Susanne Schaper (Vorsitzende DIE LINKE. Sachen)
Richard Gauch (Leipzig korrektiv)
Evelyn Bohnhardt
Henry Lewkowitz
Dr. Volker Külow
Christian Schäfer
Uwe Fiedler
Marco Rietzschel (Vorsitzender Jusos Leipzig)
Hans-Peter Scholz
Steffi Deutschmann
Steffen Kloetzer
Ralph Rüdiger (Verein „Perspektiven für Kinder auf dem Westbalkan e. V.“)
Alexander Schestag
Matthias Oertl
René Golke
Mike Nagler
Martin Pecher
Manfred Hoene
Claudia Würfel
Hans Wienhold
Margitta Hollick
Linda Peters






Als „Porajmos“ (dt. „das Verschlingen“) wird in Romanes der Genozid an den Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus bezeichnet. Trauriger Höhepunkt des Völkermordes war der 2. August 1944, der sich dieses Jahr zum 75. Mal jährt. An diesem Tag wurde der Abschnitt BIIe im Konzentrationslager Auschwitz geräumt und die 2897 noch verbliebenen Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet. Zwischen Februar 1943 und August 1944 starben allein in Auschwitz 19.300 in diesem Abschnitt untergebrachte Menschen. Insgesamt fielen hunderttausende Sinti und Roma den Nazis zum Opfer. In Deutschland ist das Bewusstsein für die leidvolle Geschichte der größten Minderheit Europas und die eigene Verantwortung dafür jedoch kaum ausgeprägt.
Auch heute sind Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma alltäglicher Diskriminierung ausgesetzt, die auch in rassistischen Angriffen münden kann. So fanden in Plauen im Vogtland zum Jahreswechsel 2017/2018 zwei schwere Brandstiftungen statt. In den betroffenen Häusern wohnten mehrheitlich Roma-Familien. Mögliche politische Hintergründe dieser Brandanschläge wurden nicht aufgeklärt.(http://www.weiterdenken.de/de/2019/07/16/dossier-zu-den-brandanschlaegen-20172018-plauen) Auch im Leipziger Stadtteil Volkmarsdorf wurde im Herbst 2010 massiv Stimmung gegen ansässige Roma gemacht, die in verbalen und tätlichen Übergriffen mündete. Solche Anfeindungen und Übergriffe finden nicht irgendwo weit weg statt, sondern in unserer unmittelbaren Umgebung und trotzdem nimmt derüberwiegende Teil der Gesellschaft daran keinen Anteil, selten wird darüber überhaupt medial berichtet.
Aus der Mitte unserer Gesellschaft wurden Roma in den vergangenen Jahren zu Zehntausenden abgeschoben. In ihren Herkunftsländern des Westbalkan erwartet sie Armut, Ausgrenzung und Diskriminierung. Die immer weiter verschärfte Abschiebepraxis zeigt, dass die schwarz-rote Bundesregierung
Wir meinen: Vor allem in Deutschland erwächst aus dem nationalsozialistischen Genozid an Sinti und Roma eine große Verantwortung, die sich nicht nur in einer würdigen Erinnerungskultur und einem entschiedenen Vorgehen gegen Rassismus (nicht nur) gegen Sinti und Roma in all seiner Bandbreite niederschlagen muss, sondern auch in einer aktiven Unterstützung der Verbesserung der Lebenssituation von Roma in ganz Europa. Dies bedeutet, dass sie hier einerseits Schutz finden müssen, andererseits, dass die EU Druck auf die Staaten ausüben muss, in denen Roma weiter unter Diskriminierung leiden.