Die Toten mahnen uns!

Gestern fand anlässlich des 76. Jahrestages der Hinrichtung des Leipziger Widerstands unser Gedenken statt. Diesmal aufgrund von Corona nicht wie in gewohnter Form, sondern in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten. Danke Rote Wende Leipzig, dass ihr schon am Sonntag da wart, und würdig dieser aufrichtigen Leipziger AntifaschistInnen gedacht habt. Danke für die vielen Bilder! Hoffen wir, dass wir wieder im nächsten Jahr gemeinsam in größerer Form zusammen gedenken können.

79. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar

Niemals Vergeben! Niemals Vergessen!

Das Massaker von #BabynJar zählt zu den grausamsten Massenverbrechen des II. Weltkrieges. Vor 79 Jahren am 29. und 30. September 1941 erschossen SS-Männer der Einsatzgruppe C und Ordnungspolizisten in der Schlucht von Babyn Jar 33771 jüdische Männer, Frauen und Kinder, bis zur Befreiung Kiews im November 1943 Tausende weitere.

Die Afd hätte anscheinend mitgeschossen.

Wir trauern um Sigrid Bolz, ein Mitglied der ersten Stunde

Erst jetzt haben wir die Mitteilung erhalten, daß unser Mitglied Sigrid Bolz im Alter von 89 Jahren am 1.9.2020 verstorben ist. Sigrid war von der ersten Stunde unseres Leipziger VVN-BdA dabei und hat solange es ihr Gesundheitszustand erlaubte, bei uns immer „mitgemischt“. Wir denken jetzt insbesondere an Ihre Familie und halten sie als stets aufgeweckte und engagierte Antifaschistin im Gedächtnis.

Tag der Erinnerung und Mahnung (OdF-Gedenktag)

Heute ist #TagderMahnung und Erinnerung, wo wir aller Opfer des Faschismus gedachten.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Der Tag der Erinnerung und Mahnung findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt. Der Tag der Erinnerung und Mahnung wurde zum ersten mal am 9. September 1990 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) begangen. Der Tag der Erinnerung und Mahnung ist die Wiederaufnahme des OdF-Gedenktages (Gedenktag für die Opfer des Faschismus), welcher 1945 von dem Berliner Magistrats beschlossen wurde und seit 1947 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) getragen wurde. Es ist ein Gedenktag der Erinnerung und der Mahnung zur Wahrung der Menschenrechte, für Frieden und Freiheit.

Gedenken Ostfriedhof / Brückenumbennung Weltfriedenstag

Heute zum #Weltfriedenstag gedachten wir auf dem Ostfriedhof der Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz am Gedenkstein der Deserteure.

Im Anschluss fand gemeinsam mit dem ehemaligen Sprecher des Leipziger Komitees für Gerechtigkeit e.V., Dr. Hans-Joachim Wienhold, und dem Stadtrat Marco Götze (DIE LINKE) feierlich die Umbenennung der Gasthofbrücke in Lindenau in „Georg-Elser-Brücke“ statt. Dies passierte in Form zweier Namenstafeln, die auf den beiden Seiten der Brücke angebracht wurden und an das Engagement von Georg Elser, einem herausragenden Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, erinnern sollen.
Nachdem es über mehrere Jahre Bemühungen gab, die Brücke umzubenennen, konnte nun die Genehmigung der Stadt Leipzig eingeholt werden. Entscheidend für diesen Erfolg war insbesondere das jahrelange Engagement des Projektinitiators Dr. Wienhold.
Georg Elser verübte am 08. November 1939 ein alleinig vorbereitetes Attentat auf Hitler und andere führende Nationalsozialisten bei deren Zusammenkunft im Münchner Bürgerbräukeller. Der von Elser selbst gebaute Sprengkörper, den er zeitgesteuert explodieren ließ, detonierte erfolgreich, führte jedoch nicht zum Tod von Hitler oder seinen hochrangigen Anhängern, die unplanmäßig eine vorzeitige Abreise antraten. Elser selbst wurde bei seiner Flucht in die Schweiz an der Grenze als Verdächtiger verhaftet und der Gestapo ausgeliefert. Nach schwerer Folter gestand er seine Alleintat, wurde aber dennoch zunächst zum „Agenten des englischen Geheimdienstes“ erklärt und als „Sonderhäftling“ für einen Schauprozess nach dem „Endsieg“ im KZ Sachsenhausen und im KZ Dachau gefangen gehalten. Auf Befehl Hitlers wurde er im KZ Dachau am 09. April 1945 erschossen.

Nachruf Erich Köhn

17.07.1932 – 12.08.2020

Der verordnete Antifaschismus war ihm nicht genug

Die Leipziger Antifaschisten trauern um Erich Köhn (17.07.1932 – 12.08.2020)
Ein Urgestein des Leipziger VVN-Bundes der Antifaschisten hat uns kurz nach seinem 88. Geburtstag für immer verlassen.

Seit der Gründung unseres Leipziger VVN-BdA im Jahr 1993 war Erich Köhn an unserer Seite, mit seiner Überzeugung für eine Welt ohne Krieg und Faschismus und seinem Wissen als Historiker. Erich war der erste Sohn des 1944 zu Tode gekommenen Leipziger Widerstandskämpfers Erich Köhn, nach dem eine Straße in Lindenau benannt ist und für den ein Stolperstein vor dem Haus Georg-Schwarz-Straße 176 liegt. Wegen antifaschistischer Betätigung wurde sein Vater 1934 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. „Hochverrat“ nannten das die Machthaber. Nach dieser Verurteilung kam Erich Köhn nicht wieder frei. Sein Leidensweg ging über Waldheim in das KZ Buchenwald, bis zum bitteren Ende.

Erich Köhn hat sich stets dafür eingesetzt, dass allen Opfern des Faschismus gedacht wird, zu Gedenkveranstaltungen, mit Stolpersteinen und Erläuterungstafeln an Straßenschildern. Viele dieser Vorhaben hat er finanziell getragen bzw. unterstützt. Für ihn war es außerordentlich wichtig zu betonen, dass sein Vater ein Kämpfer gegen den Faschismus gewesen sei. Der verharmlosende Begriff „Nationalsozialismus“ war für ihn zur Beschreibung der Leistung der Widerstandskämpfer nie akzeptabel. Solange es sein Gesundheitszustand erlaubte, nahm er an den Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des KZ Buchenwald gemeinsam mit Familienangehörigen teil.

Seine Geradlinigkeit macht auch folgende Episode deutlich: Erich Köhn forschte am Institut für Gesellschaftswissenschaften in den 1960-er Jahren zum Leipziger Widerstand mit dem Ziel der Promotion. Die Ergebnisse seiner Arbeit gingen mit den damaligen Vorstellungen der SED nicht konform, weil er über den kommunistischen Widerstand hinaus weitere Kräfte in seine Untersuchungen einbezog. Deshalb wurde seine Promotion abgebrochen.

Bis ins hohe Alter war es Erich Köhn wichtig, die Leistung seiner Mutter Johanna herauszustellen. Die Frauen der Verhafteten haben nach seiner Ansicht die ganze Last getragen. Sie haben die Familien durchgebracht, teils mit spärlicher Fürsorge, teils mit harter Arbeit.

Im Geiste seines Vaters war für Erich gelebter Antifaschismus Herzenssache.
In vielen Fällen hat sein Wissen und sein umfangreiches Archiv Veranstaltungen bereichert.

Noch aus eigenem Erinnern als Kind konnte er bildhaft die Situation in Leipzig in den Apriltagen 1945 schildern. Aus Anlaß des 70. Jahrestages der Befreiung hat er in einem Vortrag, unterlegt mit vielen Dokumenten und persönlichen Eindrücken, die Rolle des Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) in Leipzig in den Apriltagen des Jahres 1945 herausgearbeitet.
Erich Köhn war uns ein wertvoller Mitkämpfer. So wird er uns in Erinnerung bleiben.

Heute vor 76 Jahren wurde Ernst Thälmann ermordet

„Ich konnte den Gefangenen nur von hinten sehen. In dem Augenblick, wo der Gefangene das Spalier der vier angeführten SS-Leute passiert hatte und den Gang des Krematoriums betrat, fielen hinter ihm vom Hof her drei Schüsse. Hierauf begaben sich die draußen gestandenen SS-Leute und die zwei Zivilisten in das Krematorium und schlossen die Tür hinter sich. Etwa drei Minuten später fiel im Krematorium ein vierter Schuss. Offensichtlich war es der übliche Fangschuss.“

Mit diesen dürren Worten beschrieb der zum Leichenträger-Kommando gehörende Buchenwald-Häftling Marian Zgoda die von Hitler persönlich angeordnete Hinrichtung des KPD-Führers Ernst Thälmann in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1944. Das blutige Ende einer sehr besonderen deutschen Karriere: Anfangs der steile Aufstieg des am 16. April 1886 in Hamburg geborenen Ernst Thälmann, der sich, aus einfachsten Verhältnissen kommend, als ungelernter Hilfsarbeiter durchschlug und als Gefreiter im Ersten Weltkrieg seinen Wehrdienst ableistete.

Ernst Thälmann (1886–1944) war seit März 1919 Vorsitzender der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) in Hamburg und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Von 1925 bis 1933 war er Mitglied des Deutschen Reichstags und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die sich unter seiner Führung zu einer Massenpartei entwickelte. Von 1929 bis zu seiner Festnahme am 3. März 1933 lebte Thälmann mit seiner Familie in der Tarpenbekstraße 66 in Hamburg.

Nach seiner Verhaftung als politischer Gegner des NS-Regimes war er fast elfeinhalb Jahre inhaftiert, bevor am 18. August 1944 auf persönlichen Befehl Hitlers der Arbeiterführer, Revolutionär, Kommunist und Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Ernst Thälmann, im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald bei Weimar in Thüringen von den Faschisten ermordet wurde. Heute erinnern eine Gedenkstätte und zwei Stolpersteine an den umstrittenen Politiker.