Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!

Pressemitteilung: Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!

Der erste Schritt ist getan: Über unsere Anwälte erreichte uns heute die Mitteilung des Finanzamtes für Körperschaften I in Berlin für das Jahr 2019: die VVN-BdA ist wieder gemeinnützig.

Das ist ein gutes und wichtiges Signal für den Antifaschismus in diesem Land!

Zur Begründung teilt das Finanzamt mit, die Gemeinnützigkeit könne „nach eingehender Prüfung“ gewährt werden, da die Bundesvereinigung der VVN-BdA im Jahr 2019 im Verfassungsschutzbericht des bayerischen Geheimdienstes nicht mehr als „extremistische Organisation“ eingestuft sei. Aufgrund der geänderten Einstufung stehe der Paragraph 51 der Abgabenordnung der Anerkennung der Gemeinnützigkeit „nicht im Wege“.

Die VVN-BdA wertet das als Signal, dass die Vernunft siegen wird und wir sind jetzt zuversichtlich, bald auch eine positive Nachricht für die Jahre 2016-18 zu erhalten.

An dieser Stelle bedanken wir uns schon einmal bei allen, die uns bei dieser schwierigen und langen Auseinandersetzung unterstützt haben! Durch die große Solidarität, die verstärkte Öffentlichkeit und den lauten Protest von Vielen wurde deutlich, welche Bedeutung die VVN-BdA in diesem Land bis heute innehat, und dass Antifaschismus eine  breite gesellschaftliche Basis hat.

Gemeinsam sind wir stark!

Für Presseanfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Kontakt:
Hannah Geiger (Pressereferentin VVN-BdA)
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Telefon (+49) 030-55579083-4
Telefax (+49) 030-55579083-9

Pressemitteilung im pdf Format

Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!

Solidarität mit Markus Tervooren! Kein Gedenken mit der AfD!

Wir – die VVN-BdA Leipzig – erklären uns solidarisch mit dem Geschäftsführer der Berliner VVN-BdA Markus Tervooren.

Antifaschismus ist nicht kriminell! Kein Gedenken mit Faschist*innen!

Der Geschäftsführer der Berliner VVN-BdA, Markus Tervooren, wurde letzte Woche vom Berliner Amtsgericht Tiergarten wegen angeblicher Nötigung zu 50 Tagessätzen à 30€ verurteilt. Das Gericht warf Tervooren vor, am 27. Januar 2019 Mitglieder der AfD-Fraktion Marzahn-Hellersdorf daran gehindert zu haben, einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des Holocaust auf dem Parkfriedhof in Marzahn niederzulegen.

Eine Rede auf dem Friedhof wurde Tervooren als Nötigung ausgelegt. Das Gericht lehnte eine von der Verteidigung beantragte Videosichtung ab. Die Richterin ging mit ihrem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft von 40 Tagessätzen hinaus. Tervooren wird gegen das Urteil Berufung einlegen. „Das Gericht ist mit seinem Urteil leider der Normalisierungsstrategie der AfD auf den Leim gegangen.“ sagte Tervooren nach dem Prozess.

Die AfD sei eine demokratisch gewählte Partei, die von Seiten des Verfassungsschutzes nicht mehr als beobachtet werde, so begründete die Richterin ihr Urteil. Die AfD hätte ein Recht gehabt, am NS-Gedenken teilzunehmen. Damit verkannte die Richterin die Provokation der AfD mit ihrer Teilnahme an der Gedenkveranstaltung und bagatellisierte die mehr als 60 Millionen Opfer von organisiertem Nazi-Terror, dem rasseideologisch geführten Raub- und Vernichtungskrieg und des Holocaust als „Opfer von Gewalt“. Mit diesem Urteil wird erneut antifaschistisches Engagement kriminalisiert und die aktuelle Bedrohung durch die AfD verkannt.

Auch in Leipzig nahmen in der Vergangenheit immer wieder AfD-Abgeordnete an städtischen Gedenkveranstaltungen teil. Viele Gedenkende fühlten sich davon gestört und provoziert. Die VVN-BdA Leipzig fordert die Kommune darum auf, künftig auf Einladungen der AfD-Stadtratsfraktion zu verzichten.

„Nie wieder“ muss auch heißen, sich Faschist*innen und Neonazis entgegenzustellen und sie an Provokationen wie der Teilnahme an Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Naziterrors und der Shoah zu hindern.

Solidarität mit Markus Tervooren! Alle zusammen gegen den Faschismus!

Kein Gedenken zusammen mit Faschist*innen! Der AfD das Handwerk legen, im Parlament, auf Gedenkveranstaltungen und überall!

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Veranstaltungen nächste Zeit / Frohe Ostern!

Liebe Freunde,

sicherlich haben sich viele von euch gefragt, wie es jetzt weitergeht bei uns insbesondere was Veranstaltungen in nächster Zeit angeht. Leider hält uns Corona weiter fest im Griff, sodass die kommenden Gedenken in Lindenthal und in Abtnaundorf nicht wie in gewohnter Form stattfinden werden. Es wird wie in der Vergangenheit wieder ein virtuelles, dezentrales Gedenken geben. Wir bitten euch darum, solltet ihr vorhaben zu gedenken, in kleinen Gruppen zu kommen, zeitlich versetzt oder dezentral zu gedenken.

Wir würden uns natürlich über Bilder / Texte wieder von euch freuen, die wir dann auch Online / in unserer Landeszeitung „Der Winkel“ veröffentlichen würden.

In diesem Sinne wünschen wir euch friedvolle Ostertage bei euren Liebsten. Bleibt gesund! Vielleicht sieht man den ein oder anderen beim Ostermarsch, sollte er am Karsamstag in Leipzig auf dem Nikolaikirchhof ab 11.00 Uhr stattfinden.

Solidarische Ostergrüße

Euer VVN-BdA Leipzig e. V.

VVN-BdA Leipzig trauert um Anneliese Schellenberger

Mittendrin statt nur dabei!

So trifft man die Lebensmaxime von Anneliese Schellenberger am besten, die uns nach einem langen und ereignisreichen Leben verlassen hat.

Wir, die Mitglieder und Freunde der VVN-BdA Leipzig e.V., müssen Abschied nehmen von Anneliese Schellenberger (7.10.1929 – 28.1.2021).

Nun ist sie gegangen, im 92. Lebensjahr. Schon über 90 Jahre alt, mischte sie sich immer noch ein, eine Antifaschistin der ersten Stunde. Ein Schock für sie war 2019 die Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Bundesvereinigung des VVN-BdA, sofort schrieb sie einen Protestbrief an den Leipziger „Kreuzer“.

Vorbild für ihren eigenen antifaschistischen Widerstand und den ihrer Schwester war ihr Vater Alfred Schellenberger. Er wurde gemeinsam mit anderen Leipziger Widerstandskämpfern von den Faschisten Anfang 1945zum Tode verurteilt. Die Ironie des Schicksals: Die Bombardierung Dresden am 13./14.Februar 1945, die Tausenden den Tod brachte, rettete ihm sein Leben – in den Wirren konnte er fliehen.

Deshalb war ihr zeit ihres Lebens nichts wichtiger, als eine friedliche, antifaschistische Gesellschaft in der DDR aufzubauen. Als Lehrerin war sie genau in diesem Sinne engagiert. Noch heute gibt es nicht wenige ehemalige Schüler, die sich gut an sie erinnern und sie verehren.

Im Bund der Antifaschisten Leipzig war sie von Anfang an dabei und auch im hohen Alter aktiv. Auch wenn es in den späten Jahren gesundheitliche Einschränkungen gab, das hinderte sie nicht daran, sich einzumischen.

Mit Aufkommen des Internets kam ihre Zeit, das Tor zur Welt öffnete sich auf neue Weise. Auch wenn sie zuletzt an die Wohnung gefesselt war, schuf sie sich einen aktiven Kreis aus alten und neuen Freunden.

Über den Kampf ihres Vaters hat Horst Gobrecht mit ihrer Unterstützung und auf der Grundlage von vielen Unterlagen das Buch “…und einen bescheidenen Beitrag“ geschrieben. Ebenso förderte sie aus Verbundenheit mit ihrer Geburtsstadt Wiesbaden und den Aktivitäten ihres Vaters dort ein Buch über die Antifaschisten Grete und Adolf Noetzel „und gingen aufrecht doch“.

Immer am aktuellen Geschehen, auch Sport, interessiert, war sie unermüdlich gesprächsbereit, mit unerschöpflichem Gedächtnis und großzügigigen Spenden für antifaschistische Projekte.

Im Jahr 2009 übergab sie der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ein ihr nach dem Krieg anvertrautes, mutmaßlich von Bruno Apitz geschnitztes, Schachspiel. Jetzt gehört dieses Spiel zur Ausstellung in der Buchenwald-Gedenkstätte. Vor einiger Zeit hat Anneliese Schellenberger Pegida-Aufmärsche so kommentiert: „Früher haben die ja Uniformen gehabt, aber diese Art und Weise ist ähnlich. Die aggressiven Sprüche lassen nichts Gutes ahnen.“

Es ist in Annelieses Sinne, weiter und unermüdlich, nunmehr vereint mit vielen neuen und jungen Mitgliedern und im Bunde mit allen anderen Antifaschistinnen und Antifaschisten diesen verdammten Neofaschismus entgegenzutreten und ihre Geschichte weitererzählen.

Wir können stolz sein, ein Stück Weges mit ihr gegangen zu sein und werden ihr Andenken in Ehren halten.

Mit antifaschistischen Grüßen

Vorstand VVN-BdA Leipzig e. V.

 

Unser Statement zum 27. Januar 2021 #WeRemember

Niemals Vergeben! Niemals Vergessen! Die Toten mahnen uns! Unter dieser Devise gedachten wir heute dezentral an mehreren Orten der Toten der #Shoa! #WeRemember   #HolocaustGedenktag   #HolocaustRemembranceDay   #NieWieder #Leipzig @vvn_bda

Aufsehenerregender Fund

Bisher unbekannte Fotografien aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain im Archiv des VVN-BdA e.V. Leipzig wieder entdeckt

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Hier ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen. In deutscher Kriegsgefangenschaft kamen 3,3 von 5,7 Millionen sowjetische Soldaten zu Tode – das war Teil des Vernichtungskrieges im Osten.
Der mörderische und menschenverachtende Umgang des NS-Regimes mit Kriegsgefangenen der Roten Armee wird auch in einer bislang unbekannten Fotoserie deutlich, die Ende des letzten Jahres im Archiv des VVN-BdA Leipzig e. V. (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) wieder entdeckt wurde.

Im September 2020 machten die langjährigen ehrenamtlichen Archivmitarbeiter*innen Ursel Olaru und Johannes Thurm die neu zusammengefundene Archiv-AG des Leipziger Stadtverbandes bei der Sichtung des Vereinsarchivs auf einen unscheinbaren Briefumschlag aufmerksam. Darin fand die Gruppe über 70 historische Fotos aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain. Neben den Abzügen enthielt der Umschlag einen Artikel der Leipziger Volkszeitung vom 25. Juni 1946 mit der Überschrift „Massengräber in den Wäldern bei Zeithain“ mit Bildern aus dem Lager. Es lag außerdem noch ein Flugblatt bei, das mit Fotos aus dem Umschlag unter der Überschrift „Aus den Gräber steigt die Wahrheit“ um Zustimmung für das „Gesetz über die Übergabe von Betrieben von Kriegs- und Naziverbrechern in das Eigentum des Volkes“ warb. In der ersten direktdemokratischen Entscheidung in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stimmten die Sachsen am 30. Juni 1946 per Volksentscheid der entschädigungslosen Enteignung von Großgrundbesitzern, Kriegsverbrechern und aktiven Nationalsozialisten zu.

Vorstandsmitglied Daniela Schmohl informierte die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, die die Vermutung, dass es sich um Aufnahmen aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain handelt, bestätigte.

Der Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain Jens Nagel fasst die Bedeutung der Fotografien zusammen: „Bald 80 Jahre nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zeigen die aufgefundenen Erinnerungsfotos ehemaliger Wachsoldaten aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain erneut deren mitleidslosen Blick auf die sowjetischen Kriegsgefangenen und ihr Massensterben infolge von Hunger, Krankheiten und Gewalt mitten in Deutschland. Die Fotos verdeutlichen, dass diese Verbrechen kollektiv und visuell erinnert wurden und nicht nur fern der Heimat geschahen.“

https://www.stsg.de/cms/zeithain/aktuelles/aufsehenerregender-fund-bisher-unbekannte-fotos-aus-dem-kriegsgefangenenlager

Für die Forschungs- und Dokumentationsarbeit der Gedenkstätte sind die Aufnahmen wichtig und aufschlussreich. Nachdem die Mitarbeiter der Gedenkstätte im Januar alle Fotos und das Flugblatt sichten konnten, wird eine offizielle Übergabe an das Archiv der Gedenkstätte angestrebt. Allerdings fehlt bisher eine Provenienzangabe oder eine Korrespondenz des Vereins VVN-BdA zur Frage, wie die Fotos ins Leipziger Archiv gelangten.

Nach Feststellung der Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain ist unstrittig, dass die Fotos von Wachsoldaten aufgenommen wurden. Mutmaßlich wurden die Aufnahmen im Rahmen der 1946 begonnen und von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) initiierten Ermittlungen zu den Kriegsverbrechen in Zeithain bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt. Die Frage, wie die Fotos dann von der sächsischen Polizei zur VVN-BdA gelangten, gilt es nun zusammen mit dem Leipziger Stadtverband zu klären.

Daniela Schmohl stellt fest: „Der Fund zeigt eindrucksvoll, welchen hohen Stellenwert auch kleine Sammlungen und Archive haben können. Umso wichtiger ist ihr Erhalt und ihre Sicherung für die historisch-politische Bildungsarbeit. Wir möchten daher unsere Mitglieder aber auch alle anderen Unterstützer*innen bitten, die Augen nach Dokumenten, seien es Fotos oder schriftliche Zeugnisse aus der NS-Zeit, offen zu halten. Diese Unterlagen durch Abgabe in Archive zu bewahren und für Forschungs- und Vermittlungsarbeit zugänglich zu machen, ist uns ein wichtiges Anliegen.“

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Die Toten mahnen uns!

Gestern fand anlässlich des 76. Jahrestages der Hinrichtung des Leipziger Widerstands unser Gedenken statt. Diesmal aufgrund von Corona nicht wie in gewohnter Form, sondern in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten. Danke Rote Wende Leipzig, dass ihr schon am Sonntag da wart, und würdig dieser aufrichtigen Leipziger AntifaschistInnen gedacht habt. Danke für die vielen Bilder! Hoffen wir, dass wir wieder im nächsten Jahr gemeinsam in größerer Form zusammen gedenken können.