Wir erinnern und gedenken Professor Dr. Ernst Springer zum 100. Geburtstag

Am 23. Februar 1922 wurde Ernst Springer in der Nähe von Komotau in der heutigen Tschechischen Republik geboren. Er verstarb am 23. August 2008 im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in Leipzig.

Er war 1993 wesentlich an der Gründung des Bundes der Antifaschisten e.V. Sitz Leipzig beteiligt und dann dessen langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender. Voller Dankbarkeit und Hochachtung erinnern wir an diesen engagierten und aufrechten Antifaschisten, der in Leipzig aktiv an der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen gegen Neonazismus beteiligt war. Er setzte sich stets für die Erhaltung von Straßennamen von Antifaschist*innen ein, er trug den Hauptanteil an der Entstehung und Erweiterung der Bibliothek des Antifaschismus in Leipzig und wirkte für eine Einbeziehung junger Menschen in die Arbeit des BdA. Er stellte in verschiedenen Bündnissen gegen Rechts und gegen Krieg in den 1990-er Jahren seine Erfahrungen und Kompetenzen zur Verfügung und erwarb sich Achtung und Anerkennung bei den Mitstreiter*innen aus verschiedenen politischen Richtungen. Stets setzte er sich für eine differenzierte Sicht auf die Geschichte ein, wandte sich aber immer gegen eine Gleichsetzung von Hitlerregime und DDR. Er versuchte vor allem junge Antifaschist*innen zu sensibilisieren und ihnen in Vorträgen, Ausstellungen und am Rande von Demonstrationen Wissen zu vermitteln. Gemeinsam mit anderen Initiativen gelang es Ernst Springer, auf dem Ostfriedhof Leipzig einen Gedenkstein für die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz zu errichten, an dem alljährlich am 1. September der NS-Opfer, vor allem der Deserteure, gedacht wird und der auch am 8. Mai in die offizielle Ehrung der Stadt einbezogen wird.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“- diesem Teil des Schwurs von Buchenwald war er stets verpflichtet, das prägte sein Handeln. Als junger Soldat in der Wehrmacht entzog er sich dem Krieg durch Desertion. Er setzte bewusst sein Leben aufs Spiel, um nicht in einem verbrecherischen Krieg Menschen zu töten. Die aktuelle Situation in der Ukraine hätte ihn sicher sehr beunruhigt und sein Engagement gegen einen neuen Krieg in Europa gefordert.

Wir hatten in ihm einen guten Freund, ein Vorbild im Kampf für die Erhaltung und Ausprägung antifaschistischer Ideale und Werte. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten.

Vorstand

VVN-BdA Leipzig e.V.

Einfach mal Danke für eure Solidarität

Wir danken Euch für die Solidarität, die uns in den letzten Tagen von vielen entgegengebracht wurde. Ganz besonders freuen wir uns über die vielen Beitritte solidarischer Menschen, die wir als neue Mitglieder begrüßen dürfen.

#Faeser #VVNBdA

👉 https://vvn-bda.de/mitglied-werden/

Gedenken am 27.1. in Leipzig

Am 27.1. für euch zur Info sind folgende Corona konforme Veranstaltungen geplant, die veranstaltet werden von unterschiedlichen Akteuren:

– Ca. 14:50 Uhr sammeln an der Theklaer Str. beim Mahnmal, 15:00 Uhr Kranzniederlegung und Gedenkminute

– anschließend für Interessierte mit Fahrrad und/oder S-Bahn Richtung Marktplatz

– 16:00 Uhr Markt Gedenkveranstaltung DIG

18:00 Uhr Hauptbahnhof / Gedenken am Koffermahnmal

Wir würden uns freuen über zahlreiches Erscheinen von Euch! Auch in Pandemiezeiten sollte Gedenken mit Abstand und Maske möglich sein.

Nachruf Gerda Groß

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Leipzig e.V. (VVN-BdA) gibt voller Trauer bekannt, dass das langjährige Mitglied des Stadtvorstandes, die aktive Antifaschistin

Gerda Groß am 5. Dezember 2021 im Alter von 90 Jahren

verstorben ist.

Gerda wurde am 15.Januar 1931 in Nordböhmen, dem Sudentenland, geboren. Ihre kommunistische Familie war im aktiven Widerstand gegen die Nazidiktatur und emigrierte wegen der Verfolgung durch den faschistischen Staat in die Sowjetunion. Sie sagte selbst einmal, sie sei in dieses Leben hineingewachsen, dass immer die Gefahr bestand, vom politischen Widersacher „erwischt“ zu werden. In der Sowjetunion brachten sich die Eltern nach ihren Möglichkeiten weiter in den antifaschistischen Widerstand ein, die Kinder gingen zur Schule. Die längste Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbrachte Gerda im Kindergarten und Schule in Tscheljabinsk am Ural. Dort arbeitete der Vater zuerst auch als Dreher im Traktorenwerk. Doch ihr Vater meldete sich nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion freiwillig zur „Roten Armee“ und ließ sich für Widerstandsaktionen in Nazideutschland ausbilden. Unter fremdem Namen war er dort im gefahrvollen Einsatz. Durch Verrat geriet er in die Fänge der Gestapo und wurde im Januar 1945 unter unbekanntem Namen in Dresden hingerichtet.

Geprägt durch diese Erfahrungen setzte Gerda, die nach dem Krieg mit ihrer Familie über Prag in den Ostteil Deutschlands zurückkehrte, alle ihre Kräfte dafür ein, dass sich eine friedliebende Gesellschaft entwickeln konnte. Ihre Sprachkenntnisse in Russisch und Tschechisch konnte sie dabei sehr gut nutzen. Im gesamten weiteren Berufsleben waren diese gefragt, wenn z.B. ausländische Delegationen oder geflüchtete Menschen zu betreuen waren.

Selbstverständlich war Gerda aktiv in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und deren Nachfolgeorganisationen in der DDR. Auch nach 1990 fand sie sich sofort wieder im neu gegründeten Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes (IVVdN) und im heutigen VVN-BdA. Viele Jahre bekleidete sie im Stadtverband Leipzig das Amt der Schatzmeisterin.

Gerne gab sie Auskunft zu ihrem Leben und stand 2014 aktiv für das Zeitzeugenprojekt „Woran Sie sich erinnern“ mit ihrem reichen Erfahrungsschatz zur Verfügung.

In den letzten Jahren lebte sie zurückgezogen, schwere Krankheiten und schmerzliche Verluste in ihrer Familie musste sie verkraften. Bis zuletzt war sie aber an den Entwicklungen interessiert und stand für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Gerda bleibt bei uns älteren Mitgliedern in lebendiger Erinnerung, den jungen Mitgliedern werden wir ihr Leben als Vermächtnis nahebringen.

Wir verlieren eine gute Freundin und Vorbild im Kampf für die Bewahrung und Ausprägung antifaschistischer Ideale. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten und in Ihrem Sinne weiterarbeiten.

Unser Mitgefühl gilt ihrer Familien und allen Angehörigen.

Vorstand des VNN-BdA Leipzig e.V.                                                       Dezember 2021

Kein Gedenken mit der AfD!

Liebe Mitglieder, Sympathisant*innen und Partner*innen im antifaschistischen Kampf

nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschlossen, der Einladung der Stadt Leipzig zum Gedenken an den 83. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November, in diesem Jahr nicht zu folgen. Grund dafür ist die zu erwartende und wiederholte Teilnahme von Vertreter*innen der AfD-Stadtratsfraktion, welche üblicherweise wie alle anderen Fraktionen, Initiativen, Verbände und Vereine von Oberbürgermeister Burkhard Jung zu diesem Anlass eingeladen werden. Interessanterweise fordert Jung darin eine „Grenzziehung für unseren Umgang mit Hass, Rassismus und Ausgrenzung im gestern, heute und morgen…“. Wir halten diese Praxis und den damit einhergehenden Umstand, dass Opfer der NS-Gewaltherrschaft, deren Angehörige, Interessenvertreter und andere antifaschistisch engagierte Menschen Seit an Seit mit Geschichtsrelativierern und teils offen rechtsextrem Agierenden gedenken müssen seit längerem für unerträglich und haben uns darum mit einem Offenen Brief an Herrn Jung gewandt.

Diesen Brief als pdf könnt ihr gern mitzeichnen, worüber wir uns freuen würden. Einfach uns schreiben (info@vvn-bda-leipzig.de), und wir setzen euch dann mit drunter.

Trotzdem werden wir natürlich an die Geschehnisse der Pogromnacht in angemessener Form erinnern und treffen uns dafür am Dienstag, den 9. November, um 16 Uhr an der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße. Daran anschließend möchten wir beim offiziellen Gedenken der Stadt still, aber sichtbar gegen die Teilnahme der AfD protestieren und laden herzlich dazu ein, euch uns anzuschließen.

Mit antifaschistischem Gruß

Vorstand VVN-BdA Leipzig e.V.

 

Buchvorstellung: Zuflucht Havanna – Irrfahrt der St. Louis – ABGESAGT!!!

LEIDER MUSS DIE VERANSTALTUNG ENTFALLEN!!!

Ein kubanischer Roman wirft ein Schlaglicht auf die deutsche Geschichte, Kuba und das Thema der Flüchtlingshilfe

Von Fernando Remírez de Estenoz

Am 13. Mai 1939 verließen 937 meist jüdische Flüchtlinge mit dem Passagierschiff St. Luis der Hamburg-Amerika Linie, Hapag, Nazi-Deutschland. Von Hamburg aus steuerte das Schiff den Hafen von Havanna an. Dann der Schock: Entgegen aller Planungen verwehrte man ihnen, an Land zu gehen. Und dies, obwohl jede Person an Bord die entsprechende Berechtigung hatte, eine so genannte Landeerlaubnis, für die sie jeweils mindestens 150 US-Dollar gezahlt hatten. Fast alle von ihnen hatten ein Visum für die Vereinigten Staaten beantragt und planten, nur so lange auf der Insel zu bleiben, bis sie in die USA einreisen konnten.

Doch acht Tage bevor die St. Luis von Hamburg aus nach Kuba ablegte, hob der damalige kubanische Präsident Federico Laredo Bru die Landeerlaubnis per Dekret auf. Um nach Kuba einzureisen, wäre es von nun an erforderlich gewesen, eine Genehmigung des Außenministeriums und eine weitere des Arbeitsministeriums sowie die Zahlung von 500 US-Dollar vorzuweisen. Keiner der Passagiere der St Luis wusste vom Inkrafttreten dieser Maßnahme, bis sie den Hafen von Havanna erreichten. Und dann war zu spät. Sie mussten ihre Rückreise nach Europa antreten. Letztlich überlebten gut zwei Drittel der Passagiere. Sie konnten später ihre Version dieser Tragödie erzählen.

Nur 28 der 937 Passagiere aus St. Louis konnten am 27. Mai 1939 in Havanna an Land gehen. Nur 22 konnten die neuen Dokumente vorweisen, die für das Ausschiffen erforderlich waren. Ein jüdischer Passagier beging an Bord einen Suizidversuch und musste in ein Krankenhaus in Havanna eingeliefert werden. Über sein Schicksal ist nichts weiter bekannt.

Kapitän Schröder, selbst Mitglied der NSDAP, steuert die St. Louis schließlich nach Antwerpen. Von dort aus werden die Passagiere von verschiedenen Ländern aufgenommen. Die meisten überleben den 2. Weltkrieg. 254 Passagieren der „St. Louis“ aber gelingt das nicht. Sie werden Opfer des Holocaust. Schröder wurde in Israel posthum in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen.

Der ehemalige kubanische Politiker und Diplomat Fernando Remírez de Estenoz nutzt die Liebesgeschichte zwischen einem kubanischen Jungen und einer jüdischen Österreicherin als roten Faden, um historisch akkurat die Ereignisse rund um die Überfahrt des deutschen Kreuzfahrtschiffes zu erzählen. Die Propaganda des Dritten Reiches, seine Geheimdienstnetze auf der ganzen Welt, Korruption, die Mafia, die politische Instabilität, die jüdischen Gemeinschaften, die Manipulation der Presse, Wien, Berlin, Havanna, Washington und New York sind die Szenarien dieses Romans, der die tragische Geschichte der St. Louis nach 80 Jahren wieder erlebbar macht.

80. Jahrestag von Babyn Jar

Vor 80 Jahren begann das Massaker von #BabynJar

Auf Plakaten wurden die Kiewer Juden aufgefordert, sich zu Umsiedlungsmaßnahmen einzufinden. Dem Befehl folgten über 30.000 Menschen, die zur außerhalb der Stadt gelegenen Schlucht Babi Jar getrieben wurden. Dort mussten sie Papiere, Gepäck sowie Wertgegenstände abgeben, sich vollständig ausziehen und sich in Zehnergruppen an den Rand der Schlucht stellen. Dann wurden sie niedergeschossen. In Babi Jar ermordete das Sonderkommando laut einem Einsatzgruppenbericht am 29. und 30. September 33.771 Juden. In den folgenden Monaten wurden dort Tausende weiterer Juden erschossen. Auch als „Zigeuner“ verfolgte Menschen und sowjetische Kriegsgefangene zählten zu den späteren Opfern. Insgesamt wurden nach Untersuchungen der sowjetischen Staatskommission in Babi Jar rund 100.000 Menschen ermordet.

„An dem Lauter könnt ihr euch ein Beispiel nehmen“

Sie wissen nicht wer Lauter ist? Hier wird uns Prof. Hans Lauter, ein Arbeiterjunge, Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, Parteiarbeiter, Funktionär, Hochschullehrer, Mahner gegen die Gefahr von rechts in unserem neuen Deutschland, gemeinsam mit Esther Bejarano Ehrenvorsitzender der VVN-BdA, auf eine einfühlsame und sehr private Art vorgestellt.

Wie der zitierte Hinweis eines Wärters im Zuchthaus Waldheim 1936 zeigt, hat preußische Akkuratesse bereits dem jungen Hans Lauter Lob eingebracht. Diese Akkuratesse hat ihm in seinem langen Leben (1914 – 2012) oft geholfen und auch Achtung und Bewunderung eingebracht.

In der Reihe „Lebenszeichen“ der Gruppe schreibender Seniorinnen und Senioren Leipzig ist im Verlag OsirisDruck eine ungewöhnliche Annäherung an eine besondere Persönlichkeit von seinem Schwiegersohn Michael-Alexander Lauter erschienen.

Wie schon der Untertitel des Heftes verrät, spielt der runde Küchentisch der Lauters die Rolle als „Kristallisationspunkt“, um Hans zu seinem Leben zu befragen bzw. ihn erzählen zu lassen. Die Intimität des Ortes führt auch dazu, daß der Leser sich manchmal wie ein Voyeur vorkommt.

Michael Lauter legt hier ein lesenswertes Heft zu Hans Lauter vor, das sich schwer in eine Kategorie einordnen läßt. Am nächsten kommt man dem Buch, wenn man es dokumentarische Belletristik nennt. Die Lektüre ist für jeden politisch Interessierten ein Gewinn, zumal der Autor seinen Plauderton durchhält und jede Seite neue überraschende Informationen liefert. Auch für mich, der ich Hans Lauter viele Jahren kannte und sogar mit seiner Unterstützung einen Besuch im Moorlager im Emsland organisiert habe, gibt es manche Neuigkeit. Wie oft habe ich selbst das „Nu warte mal“ von Hans am Lauterschen Küchentisch gehört, dem sich dann ganz sicher eine spannende Geschichte anschloß – nicht zu vergessen auch seine Gabe, historische Ereignisse mit einem Bezug zum Hier und Heute darzustellen.

Ganz persönlich ist auch das Buchcover: es zeigt den Hauseingang von Hans Lauters letzter Wohnung, mit Michas Fahrrad davor.

Andere Publikationen, die sich dem Leben des aufrechten Antifaschisten widmen, waren verstärkt aus dem Blickwinkel der Ehrfurcht vor dem kleine Großen geschrieben – obwohl Heroisierung nie sein Ding war.

Startpunkt der Erzählung ist die Umsiedelung von Hans Lauter von Chemnitz, ehemals Karl-Marx-Stadt, zu Ilse und Micha Lauter nach Leipzig Grünau. Dort konnte man ihn als lebensfrohen, gewitzten, aufrechten und engagierten Menschen kennenlernen. Manchmal hatte man die Chance, ihn auf dem Weg zum Mittagessen in „sein Bistro“ gegenüber der Wohnung zu sehen, klein, drahtig, auffallend akkurat gekleidet.

„Ich habe viele Beulen an meinem Hut. Die wenigsten sind vom Gegner“, hat der marxistische Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski einmal gesagt, und das trifft in erschütterndem Maße auch auf Hans Lauter zu. Dabei: Rückschläge waren für ihn nie ein Anlaß, zu klagen.

Was sich die Nazis sicherlich nie so gedacht hatten: Die Inhaftierung von Hans in den 1930-er Jahren beförderte bei ihm den Wunsch, sich weiterzubilden. Das Konzept zur Besserung von Häftlingen durch Lernen und (Um-) Erziehung stachelte seinen Ehrgeiz an, in die Tiefen der Mathematik vorzudringen und „zur Entspannung“ sich die Stenografie im Selbststudium anzueignen. Die Zuchthausbibliothek lieferte dafür die entsprechenden Bücher. Bei seinem Mathe-Studium bekam Hans Unterstützung von einem kriminellen Mithäftling, einem Geldfälscher. Später sollte es viele Gelegenheiten geben, die Steno-Kenntnisse geschickt einzusetzen: Ein Vorlesungsmanuskript in Steno war der beste Kopierschutz, wer konnte da „spicken“?

Hans, ein passionierter Briefeschreiber, korrespondierte bis ins hohe Alter mit Familie, Freunden, Weggefährten. Selbst zu Schülern, in deren Kreis er oft als Zeitzeuge des Faschismus auftrat, wendeten sich an ihn mit Anfragen – und jeder Brief wurde gewissenhaft beantwortet.

Zeit seines Lebens war Hans Lauter an Sport interessiert, als Jugendlicher mit besonderer Vorliebe für Fußball und Skilaufen. Fußball verfolgte er später als Zuschauer, auf Skiern war er bis ins Alter unterwegs. Ganz sicher spielte dieser lebenslange Drang nach sportlicher Betätigung eine große Rolle für die erstaunliche Kondition von Hans, geistig und körperlich.

Die geistige Frische konnte man oftmals bewundern, wenn Hans mit Pathos seitenweise aus dem „Faust“ oder „Nathan“ zitierte. Das ist eine Fähigkeit, die ich oft schon bei antifaschistischen Widerstandskämpfern beobachten konnte. Zum Überleben in der Haft hat das Lernen langer Gedichte einen wichtigen Beitrag geleistet.

Große Aufläufe waren nicht das Ding von Hans Lauter, aber (nicht ganz zufällig) stand er Mal auf der Bühne vor Tausenden: gemeinsam mit Hannes Wader singt er am 30. April 2007 das Moorsoldatenlied zum Courage-Konzert zu Füßen des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. Schließlich ist er zu dieser Zeit der letzte Leipziger Moorsoldat und damit Augen- und Ohrenzeuge der Bedingungen im Moor. (S. 54/55)

Hans Lauter war nicht nur ein überzeugter Antifaschist und Kommunist, sondern auch ein Familienmensch, dem unter anderem Weihnachtsrituale sehr wichtig waren. Er konnte seine erzgebirgische Heimat nicht lassen, ein Weihnachtsbaum mit richtigen Kerzen, dem Schwibbogen und Stollen mußten sein.

Hans Lauter ist im 98. Lebensjahr verstorben am 31.10.2012. Da kann man sich schon fragen, hat Hans die Nähe zum Wittenberger Reformator gesucht?

Hervorzuheben ist ein nützliches Beiwerk: neben einer Übersicht der Lebensdaten Hans Lauters findet sich ein Abkürzungsverzeichnis, das besonders für junge Leute sehr hilfreich ist.

Gustav Peinel
—————————————————————————————Michael-Alexander Lauter
Von einem, der im Zuchthaus Mathematik studierte
Gespräche mit Hans Lauter am runden Tisch
Osiris-Druck Leipzig, 2021
ISBN 978-3-949240-01-1
Preis: 2,80 €

Bezug über den Buchhandel bzw. im Online-Shop des Verlages www.osirisdruck.de/shop/

Walter Kaufmann – Welch ein Leben!

Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies

In ehrendem Gedenken an Walter Kaufmann,

der am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorben ist

Weltpremiere Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg August 2021
Dokumentarfilmwettbewerb Filmkunstfest Schwerin September 2021
Vorpremiere in Leipzig in den Passage Kinos am 22.9.2021
Galaveranstaltung in Berlin im Kino Babylon am 28.9.2021

Zum Kinostart am 30.9.2021 in den Passage Kinos Leipzig

am Donnerstag  30.9. um 14.00 Uhr
am Sonntag 3.10. um 13.30 Uhr
am Mittwoch 6.10. um 14.30 Uhr

in Zusammenarbeit mit:

Jüdisch – Christliche Arbeitsgemeinschaft
Ariowitsch Haus e.V. – Zentrum
Literaturhaus Leipzig e.V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.
VVN-BdA Leipzig
Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Ver.di – Landesverband Sachsen

Schillernder als jedes Drehbuch ist das Leben von Walter Kaufmann

Im Leben des am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorbenen Walter Kaufmann spiegeln sich auf außergewöhnlichste Weise weltweit bedeutende Ereignisse, Katastrophen, Erschütterungen des letzten Jahrhunderts, die bis in unsere Gegenwart wirken.

Walter Kaufmann blieb bis zu seinem Tod unermüdlich kämpferisch. Er setzt mit seinem Leben ein nachwirkendes Zeichen gegen jede Form von Rechtsruck und Antisemitismus, die wieder bedrohliche  Ausmaße in unserem Land angenommen haben. Der Film ist ein Appell an uns Lebende, die elementaren Menschenrechte und demokratischen Errungenschaften entschlossen zu verteidigen.

Der Film folgt den wesentlichen Lebenslinien und weltweiten Erfahrungen des Protagonisten. Walter Kaufmann erlebte als Jude persönlich die katastrophalen Folgen des Nationalsozialismus. Als Schriftsteller und Korrespondent nahm er regen Anteil an der Bürgerrechtsbewegung in den USA, am Prozeß gegen Angela Davis, an der Revolution in Kuba, den Auswirkungen der Atombombenabwürfe in Japan, der unendlichen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes, der Entwicklung und dem Zusammenbruch der DDR. Der Film bietet jüngeren und älteren Zuschauern eine letzte Gelegenheit, die Welt aus der Perspektive dieses einzigartigen Zeitzeugen vermittelt zu bekommen.

1924 kommt er als Sohn namens Jizchak der armen, jungen polnischen Jüdin Rachel Schmeidler in Berlin zur Welt. 3 Jahre später adoptiert ihn ein wohlhabendes Duisburger Ehepaar. Im Gegensatz zu seinen Adoptiveltern Johanna und Sally Kaufmann konnte Walter Kaufmann der Vernichtung durch die Nazis entkommen, rettete sich als Jugendlicher mit einem Kindertransport nach England. Wurde dort interniert und mit dem berüchtigten Schiff „Dunera“ von den Engländern nach Australien verfrachtet, wo er noch fast zwei Jahre in einem Internierungslager verbringen mußte.

Er wurde australischer Soldat, Hochzeitsfotograf, Seemann und später preisgekrönter Schriftsteller. Bewußt entschied er sich Mitte der 50iger Jahre für ein Leben in der DDR. Er behielt seinen australischen Paß, durfte als Journalist und Schriftsteller ausreisen und verarbeitete diese Erfahrungen in zahlreichen Reportagen und Büchern, die in der DDR in extrem hohen Auflagen erschienen. Von 1985 bis 1993 stand er als Generalsekretär dem PEN-Zentrum vor. Hochrangige Auszeichnungen wie der Fontane-Preis, der Heinrich-Mann-Preis sowie der Literaturpreis Ruhr wurden ihm zugesprochen.

Ein wichtiges im Film wiederkehrendes dramaturgisches Element ist die Umsetzung des Briefwechsels von Sally und Johanna Kaufmann mit ihrem Adoptivsohn Walter. Dieser erhaltene bewegende Austausch beginnt mit dem Kindertransport von Walter Kaufmann nach England und endet an dem Tag der Deportation der Eltern nach Theresienstadt.

Alle Infos, Trailer, Downloads: www.walterkaufmannfilm.de

FSK: ab 12 Jahre / Länge: 101 Minuten / Produktion und Verleih: Karin Kaper Film Berlin

Kamera: Tobias Rahm, Dirk Szuszies und Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt

Musik: Benedikt Schiefer

Schnitt: Tobias Rahm und Dirk Szuszies

Sounddesign/Tonmischung: Marx Audio Berlin

 Projektträger: Internationales Auschwitz Komitee e.V.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages,

321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V., der FFA und

der Kurt und Hildegard Löwenstein/Losten Stiftung

Danke an Alle!

Vielen Dank an die Referenten für die informativen Vorträge „Vernichtungskrieg an der Heimatfront. Neue Fotografien sowjetischer Gefangener aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain“. Mit Jens Nagel, Sandra Starke und Daniela Schmohl.

Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit der RLS Sachsen durchgeführt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.