Die VVN-BdA Leipzig solidarisiert sich mit den durch Aufrufe und Statements rund um die Demonstration „Antifa means free Palestine“ angegriffenen Menschen und Projekten in Connewitz.
Als spektren- und generationenübergreifende antifaschistische Vereinigung, die sich auf die Erfahrungen und Perspektiven der Widerstandskämpfer:innnen, Verfolgten und Ermordeten bezieht, haben wir die verschiedenen Äußerungen rund um die anstehenden Demos mit großer Verwunderung wahrgenommen. Dem Gegenüber das Linkssein abzusprechen, sich gegenseitig gar mit faschistischen Ideologien gleichzusetzen, lässt uns kopfschüttelnd zurück. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass es „den Linken“ nie zuträglich war, sich gegenseitig Faschismus vorzuwerfen, statt die tatsächlichen Nazis zu bekämpfen.
Wir sehen social Media nicht als geeigneten Ort inhaltliche Debatten konstruktiv zu führen. Das Gegenüber absichtlich misszuverstehen und sich auf den neusten Skandal zu stürzten bringt uns nicht weiter. Also rafft euch alle mal! Klar ist aber, wir sind nicht bereit antisemitische und rassistische Hetze und Übergriffe zu dulden.
Als Vereinigung die sich als Teil der kritischen Leipziger Stadtgesellschaft und auch als Teil der pauschal attackierten Connewitzer Szene begreift, stellen wir uns solidarisch an die Seite der attackierten Institutionen und Einzelpersonen. Wir verurteilen jede Form von gewalttätigen und verleumderischen Übergriffen von allen Seiten.
In den letzten Tagen gab es bundesweit wiederholte Angriffe auf alternative Zentren und Projekte, in Saalfeld, in Glauchau oder Cottbus, sowie antisemitische Anschläge und ständige neue Schmierereien in Gießen und in Leipzig aber auch unzählige rassistische Angriffe. Vor uns liegt eine herausfordernde Zeit, in der wir auf sichere Orte und verlässliche Strukturen angewiesen sind.
Eine Friedensperspektive, ein Leben in Freiheit und Sicherheit für alle, ist nicht nur in Gaza und Israel gerade in weite Ferne gerückt. Das gilt auch immer noch und aktuell besonders für Kurdistan, die Ukraine, für den Sudan, für den Iran oder im Kongo. Ihnen allen nützt der Kampf um Deutungshoheit in einem marginalen Leipziger Stadtteil nichts. Aber sie alle brauchen unsere Solidarität und Aufmerksamkeit im Kampf gegen religiösen Fundamentalismus, Rassismus, Antisemitismus und gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.
Dazu gehört es auch Kräfte zu unterstützen, die aktiv für Frieden und Menschenrechte kämpfen, wie z.B. עומדים ביחד نقف معً ا standing together in Israel, die seit Jahren gegen die rechte Regierung Netanjahu mobilisiert und dabei jüdische wie muslimische, israelische und arabische aber auch migrantische Perspektiven vereint.
Zurück zum 17.01 in Connewitz:
Wir verurteilen jede Form von Gewaltandrohungen oder Handlungen im Kontext dieser Auseinandersetzung.
Wir rufen dazu auf, die Vorfälle ehrlich aufzuklären, und verurteilen die Anwendung von Gewalt. Lasst uns zu einer konstruktiven, solidarischen politischen Praxis zurückkehren und dafür unsere Räume nutzen!
Lasst uns nicht aus den Augen verlieren, welchen Herausforderungen unsere Gesellschaft gegenübersteht und wo wir Einfluss ausüben können: bei den zunehmenden Angriffen auf den Sozialstaat und gegen hart erkämpfte Rechte, gegen die ständige Hetze gegen Arbeitslose und Migrant:innen, Nazi-Angriffe auf linke Jugendzentren auch in den kleinen Städten, aber auch gegen militärische Aufrüstung und Wehrpflicht, kurz Klassenkampf von Oben.
Dagegen gilt es vielfältigen Widerstand zu organisieren, der auch Widersprüche aushält und aktiv und sichtbar wird.
Kein Antifaschismus ohne Solidarität!
Gegen Rassismus, Antisemitismus und religiösen Fundamentalismus!
Für eine Welt des Friedens und der Freiheit!



Im Rahmen unserer Mitgliederversammlung am 15.11.2025 wurde eine Broschüre über das Leben unseres Mitglieds Maja Günther veröffentlicht.




Dr. Margarete Blank war seit 1930 in Panitzsch als niedergelassene Ärtztin tätig und bezog zusammen mit ihrer Schwester Elenore zwei Zimmer in einem kleinen Haus in der Sehliser Str. , eines als Wohnraum eines als Praxis. Das ausgezeichnete Fachwissen, die Wärme und das Verständnis der jungen Ärztin für die Nöte und Sorgen der Menschen, die Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft der Schwestern, ließen sie sehr schnell Achtung und Vertrauen finden. Bald gewannen sie Freunde im Ort. Immer öfter wurde sie auch zu Patienten in den Nachbarorten gerufen. Selbst in Taucha war sie geschätzt und geachtet, trotz mehrerer dort ansässiger Ärzte. Später sah sich selbst die faschistische Justiz zu dem Eingeständnis gezwungen, daß „Margarete Blank eine anerkannte tüchtige Ärztin“ war.

Walter Heise kam am 08.08.1899 als Sohn eines Schlossers in Aschersleben zur Welt. Nach seinem Schulabschluss machte er eine Lehre als kaufmännischer Angestellter und trat 1917 in die SPD ein. Während des Ersten Weltkrieges verlor er beide Brüder an der Front, was ihn auch zum Parteieintritt ermutigte. 1924 zog Heise nach Leipzig um, wo er 1926 die kommunistisch geprägte Klara Burgdorff heiratete und mit ihr 1927 einen Sohn Namens Günther bekam. Durch den Kontakt mit Klaras Familie trat Heise 1931 in die KPD ein und wurde dort zum aktiven Mitglied. Aufgrund häufiger Arbeitslosigkeit engagierte sich Heise stark in der Erwerbslosenbewegung und leitete ab 1932 die Demonstrationen der Arbeitslosen in der Leipziger Innenstadt.
Nach seiner Entlassung wurde er als „wehrunwürdig“ eingestuft und stand unter ständiger Polizeiaufsicht. Bis 1942 fand er nur gelegentlich Arbeit und wurde schließlich Lohnbuchhalter in der Feuerungs- und Trocknungsanlage Fränkel & Viebahn in Holzhausen. Auch innerhalb dieser Firma setzte er seine antifaschistische Arbeit fort und wurde schließlich durch einen Gestapoinformanten wegen des Abwerfens eines Flugblattes und Antikriegsäußerungen gegenüber Arbeitskollegen denunziert. In Folge dessen wurde er am 15.08.1944 erneut verhaftet und wegen „Wehrkraftzersetzung“ am 15.12.1944 am Volksgerichtshof Dresden zum Tode verurteilt. Seine Frau Klara erhielt Walter Heises Abschiedsbrief erst am 07.03.1945 und musste zusätzlich den Verlust ihres Sohnes verkraften, der am 06.02.1945 zwei Wochen vor seinem Vater im Alter von 18 Jahren an der Front fiel.
Am Freitag, den 10.Januar 2025 trafen wir uns in kleiner Runde um 17 Uhr auf dem Südfriedhof in Leipzig um den am 11./12.Januar 1945 ermordeten Antifaschisten, der Schumann-Engert-Kresse-Gruppe zu gedenken.
Vertreter:innen des Kunstkollektiv Marinus zur Abteilung VIII, Reihe E, Grabnummer 30. Hier befindet sich das Grab von Marinus van der Lubbe, welcher am 10.Januar 1934 als Reichstagsbrand-stifter hingerichtet wurde. Bereits seit 1999 befindet sich einer von drei Gedenksteinen für Marinus auf dem Südfriedhof. Die niederländischen Künstler Ron Sluik und Reinier Kurpers-hoek gestalteten die Steine. Ein Stein findet sich im niederländischen Leiden, dem Geburtsort von Marinus, ein dritter Stein steht in Berlin vor dem Deutschen Theater. Seit 2024 weist eine Informationstafel auf das Leben und den Reichstagsbrandprozess hin.