Kein Gedenken mit der AfD!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung,

die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wurde 1947 von Menschen gegründet, die den Nazismus als Negation der Demokratie und der Menschenwürde, als Regime des Massenmordes erlitten und gegen ihn Widerstand geleistet hatten. Den Überlebenden der Verfolgung aus rassistischen und politischen Gründen, der millionenfachen Vernichtung jüdischer Menschen sowie der Sinti und Roma, und auch den Nachkommen der Verfolgten und Widerstandskämpfer*innen fühlen wir uns verpflichtet. Bis heute sind die letzten Überlebenden der Naziverfolgung und ihre Nachkommen ein Teil der Mitgliedschaft des VVN-BdA.

In den letzten Jahren wurden in Leipzig alle Fraktionen im Stadtrat zu städtischen Gedenkveranstaltungen eingeladen, auch die AfD. So standen Politiker*innen, Vertreter*innen von antifaschistischen, zivilgesellschaftlichen Vereinen und Initiativen und auch Überlebende der Shoah neben Vertreter*innen einer neofaschistischen Partei und legten Kränze nieder. Das ist bis heute ein unerträglicher Zustand gerade für Überlebende und deren Angehörige.

Man hat die Vertreter*innen der AfD damit aufgewertet und für politisch junge Menschen bildhaft in die Reihen der Demokrat*innen aufgenommen. Die Beteiligung einer neofaschistischen Partei ist eine Verhöhnung der Opfer des Holocaust. Es gibt kein würdiges Gedenken an die Opfer des Faschismus gemeinsam mit der AfD, einer Partei, in der Antisemitismus und die Relativierung und Leugnung des Holocaust ein Zuhause haben. Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.“ Was die AfD damit meint, hat Björn Höcke deutlich gemacht, als er im Januar 2017 in Dresden eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad” für Deutschland forderte. Laut Alexander Gauland, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag, werde die AfD „nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen” und „die Deutschen“ hätten überdies das Recht, stolz zu sein auf „Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Aussagen wie diese und andere sind Grund genug die Haltung zur AfD zu überdenken und endlich zu handeln.

Wir fordern Sie daher auf, gedenken Sie nicht mehr gemeinsam mit der AfD und beenden Sie die fortschreitende Normalisierung dieser neofaschistischen Partei!

Als aktives Zeichen unserer Haltung werden sich die VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Leipzig einem gemeinsamen Gedenken mit Vertretern der AfD verweigern und rufen künftig zu einem breiten Bündnis „Kein Gedenken mit der AfD!“ auf.

Mit antifaschistischen Grüßen

Vorstand VVN-BdA Leipzig e.V.

Offener Brief als pdf

Vielen Dank an alle Unterzeichner:innen!

Stand –  15. November:

Parteien:

  • Jusos Leipzig

Vereine / Initiativen:

  • Das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.
  • Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.
  • Dr.-Margarete-Blank-Gedenkstätte Panitzsch e. V.
  • Linke Aktivisten Vogtland
  • FAU Plauen

Leipzig Courage Preisträger:

  • Frank Kimmerle, Preisträger „Couragiert in Leipzig“ – 2013
  • Marco Helbig, Preisträger „Couragiert in Leipzig“ – 2012
  • Florian Illerhaus, Preisträger „Couragiert in Leipzig“ – 2011
  • Richard Gauch, Preisträger „Couragiert in Leipzig“ – 2013

Einzelpersonen:

  • Meta Mukasa und Bernd Pellerei
  • Marco Rietzschel (stellv. Vorsitzender SPD Leipzig-Süd / SPD-Stadtbezirksbeirat Leipzig-Süd)
  • Jule Nagel (MdL)
  • Irena Rudolph-Kokot, Vorsitzende Say it loud e.V.
  • Henry Lewkowitz, Leipzig Courage zeigen e.V.
  • Sebastian Viecenz, ver.di Leipzig-Nordsachsen, Geschäftsführer
  • Tobias Baumann, ver.di Leipzig-Nordsachsen, Bezirksvorsitzender
  • Robert May
  • Herbert Münchow
  • David Reher
  • Doreen und Steffen König
  • Elke und Wolfgang Denecke
  • Bianca Kaulfers
  • Michael Grün
  • Dieter Gaitzsch (Dresden Nazifrei / Sprecher*innen der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft zur Auseinandersetzung mit dem NS (sLAG)
  • Jette Rieger
  • Marius Bachmann
  • Dr. med. Ingrid Heyser
  • Rolf Heitbrink
  • Martin Vogel
  • Ursula Rauch
  • Bernd Spolwig
  • Sebastian Rudolph
  • Claudia Würfel
  • Andrea Hackbarth
  • Hamit Avdo
  • Ricky Burzlaff
  • Mohammad Mujdab Salahaldin
  • Frederike Grasnick-Eckhold
  • Sven Jaeckel
  • Fahed Kawi
  • Alexandra Zürn
  • Hajue Eich
  • Patrick Müller
  • Dieter Mörchen
  • Stefan Kleeberg
  • Andre Schiller (DIE LINKE. Plauen)
  • Volker Dunz
  • Tino Guenther (Ju.w.e.l e.V.)
  • Vanessa Hadrawa