Der Krieg der Erinnerungen – Das östliche Europa und der Zweite Weltkrieg

Reihe: Vernichtungskrieg im Osten

Veranstaltungsort

Neues Schauspiel Leipzig
Lützner Straße 29
04177 Leipzig

14.09.2022, 19:00 – 21:00 Uhr

Eine Veranstaltung der VVN-BdA Leipzig, der Naturfreundejugend Leipzig und der RLS Sachsen.

Mit Katja Makhotina (Historikerin, Bonn) und Vera Dubina (Historikerin, Moskau)

Am 1. September jährt sich der deutsche Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkrieges zum 83. Mal. Insbesondere in den postsowjetischen Staaten hat die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg bis heute eine zentrale und nicht minder umkämpfte Bedeutung. Welche Rolle spielt die Erinnerung im heutigen Russland? Welche Bedeutung hat die Kriegserinnerung, in der unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Ukraine? Und wie ist die erinnerungspolitische Lage in den baltischen Staaten und Belarus? Einen Einblick in dieses umkämpfte Feld des Gedenkens wird Ekaterina Makhotina geben. Im anschließenden Podiumsgespräch  werden wir die Erinnerungsarbeit von Memorial vorstellen und auf die praktischen Auswirkungen staatlicher Geschichtspolitik an diesem Beispiel eingehen.

Solidarität mit Geflüchteten!

Brandanschlag gegen Geflüchtetenunterkunft in der Liliensteinstraße

In der Nacht zum 27. August wurde in Leipzig-Grünau auf eine Geflüchtetenunterkunft ein Brandanschlag verübt. Laut Angaben Polizei wurden mehrere Brandsätze geworfen, die schnell gelöscht werden konnten. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund nicht aus.

Der Brandanschlag zeigt, dass der Hass gegen Geflüchtete in Sachsen Realität ist und die Täter*innen nicht davor zurückschrecken, Menschen zu töten. Klar ist auch, dass der verbreitete Rassismus in der Gesellschaft diese Taten erst ermöglicht.

Antifaschist*innen haben in den letzten Monaten eine zunehmende Gewaltbereitschaft im Stadtteil wahrgenommen. Und auch der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, jähren sich in diesen Tagen die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen zum 30. Mal. Die Unterkunft in der Liliensteinstraße wurde Anfang der 1990er Jahre ebenso wiederholt von Neonazis angegriffen.

Dieser Brandanschlag muss deswegen auch als Zeichen verstanden werden, dass rassistische Gewalt zu jeder Zeit und an jedem Ort in Sachsen möglich ist. Wer jetzt noch von „Alarmzeichen“ spricht, verharmlost die Raumnahme und Selbstsicherheit faschistischer Strukturen, die vor tödlicher Gewalt nicht zurückschrecken. Es muss endlich konsequent gegen Rassismus, rechte Organisierung und rassistische Gewalt vorgegangen werden!

Unsere Solidarität gilt den 180 Bewohner*innen der Unterkunft.

Wir fordern eine sichere Zukunft für alle Geflüchteten!

Wir rufen alle Antifaschist*innen auf, gemeinsam nach Leipzig-Grünau zu fahren, sich solidarisch zu zeigen und den Nazis nicht die Straße zu überlassen.

Beteiligt euch an der Kundgebung von Leipzig nimmt Platz! Treffpunkt ist die S-Bahn-Haltestelle Allee-Center (Brückenende) am Montag, 29. August um 18:45 Uhr.

 

Gemeinsame Anreise: S1, 18:13 Uhr, Leipzig Hbf (tief)

Einladung zum Gedenken für die Opfer der faschistischen Militärjustiz auf dem Ostfriedhof

Wir möchten euch einladen, mit uns gemeinsam zum Weltfriedenstag am

Donnerstag, den 1. September 2022, um 17 Uhr,

am Gedenkstein für die Opfer der faschistischen Militärjustiz auf dem Ostfriedhof Blumen niederzulegen und zu gedenken. Wir freuen uns über euer kommen!

In Leipzig wird mit einem Denkmal der Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz gedacht. Es befindet sich auf dem Ostfriedhof, auf dem abseits aller anderen Gräber 26 hingerichtete Wehrmachtsdeserteure begraben liegen. Es handelt sich hier überwiegend um Zivilisten, die durch die NS-Militärjustiz verurteilt wurden. Bereits 1946 wurden schlichte Holzkreuze aufgestellt, um dieser Getöteten zu gedenken. Danach gerieten die Gräber in Vergessenheit und verrotteten. 1998 wurde auf Initiative verschiedener Gruppen, wie dem Komitee für Gerechtigkeit, dem Friedenszentrum und dem Bund der Antifaschisten, ein Gedenkstein aufgestellt wurde.

Die Hinrichtungen fanden überwiegend im Hallenser Zuchthaus „Roter Ochse“ statt. Einen Teil der Verurteilungen vollstreckte man auch auf dem Schießplatz Bienitz am Rande der Stadt. Bisher konnten 78 hingerichtete Soldaten namentlich ermittelt werden. Als Treibstoffmangel den Gefangentransport erschwerte fanden Hinrichtungen zudem in der heutigen Olbricht-Kaserne statt.

Inzwischen ist das Denkmal auf dem Ostfriedhof fest in das städtische Gedenken zum Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus integriert. Die Stadt selber hat 2001 auch auf dem Erschießungsplatz, dem ehemaligen Militärschießplatz Bienitz, einen Gedenkstein mit der Inschrift:

Zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz die in den Jahren von 1940 bis 1944 auf dem ehemaligen Militärschießplatz Bienitz wegen Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung oder Selbstverstümmelung hingerichtet worden sind

aufstellen lassen.

6 hingerichtete Soldaten auf dem Ostfriedhof sind identifiziert:

Fritz Pfotenhauer, geb. 6.7.1918, erschossen 17.11.1939
Friederich Münnich, geb. 14.7.1915, Freitod 4.3.1940
Hermann Wegener, 18.8.1915, erschossen 12.12.1941
Ernst Müller, geb. 4.4.1913, erschossen 12.3.1940
Heinrich Böwes, geb. 7.12.1918, erschossen 28.8.1940
Johannes Lewandowski, geb. 28.12.1908, erschossen 6.1.1944

Quellen:
Bund der Antifaschisten e.V. Leipzig: Stätten des Gedenkens: Für Verfolgte und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und für antifaschistische Widerstandskämpfer in und um Leipzig, Schkeuditz 2006
Leipziger Geschichtsverein e.V.: Leipziger Denkmale Band 2, Beucha 2009

Holocaust-Gedenktag für Roma und Sinti

Am 2. August, um 17.00 Uhr gedenken wir der im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma mit Kranzniederlegungen am Denkmal „Geschlagener“ am Schwanenteich, wozu wir euch vom VVN-BdA Leipzig und Romano Sumnal, Roma-Verein Sachsen herzlich einladen. Anbei die Einladung des Vereins Romano Sumnal zum diesjährigen Gedenken.

In der Nacht auf den 02.08. wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau alle dort lebenden Roma und Sinti trotz erbittertem Widerstand ermordet.

Diskriminierung und Ausgrenzung gegen Sinti und Roma Menschen gab es schon seit vielen Jahrhunderten, doch ab 1933 wurden sie schrittweise systematisch ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt und ermordet, dies endete in einem Völkermord, der erst 1982 von der Bundesregierung anerkannt wurde.

Bisher ist bekannt, dass aus Leipzig 280 Sinti und Roma deportiert wurden, doch nach unseren Recherchen ist die Zahl höher. Mehr als 1.000 Menschen wurden in Leipziger Lagern beim Zwangsarbeitseinsatz ausgebeutet. Die Erinnerung an die verheerenden Wirkungen der Diskriminierung, Ausbeutung und dem Völkermord prägt unser Zusammenleben in Europa bis heute. Aus diesem Grund hat das Europäische Parlament 2015 den 2. August zum jährlichen „EUROPÄISCHEN HOLOCAUST-GEDENKTAG FÜR DIE ROMA“ erklärt.

Wir würden uns freuen, wenn viele von Euch kommen würden trotz Ferien / Urlaub.

Walter Kaufmann – Welch ein Leben!

Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies

In ehrendem Gedenken an Walter Kaufmann, der am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorben ist

Weltpremiere Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg August 2021
Dokumentarfilmwettbewerb Filmkunstfest Schwerin September 2021
Vorpremiere in Leipzig in den Passage Kinos am 22.9.2021
Bundesweiter Kinostart am 30.9.2021

Sondervorführung Open-Air im Rahmen der Globale Leipzig in Anwesenheit des Regieduos Karin Kaper und Dirk Szuszies am 3.8.22  um 20 Uhr

Eintritt frei!!!

Ort: Open-Air: Caracan im Auwald, Neue Linie 20

Infos: https://www.globale-leipzig.de/?page_id=1467

Schillernder als jedes Drehbuch ist das Leben von Walter Kaufmann

Im Leben des am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorbenen Walter Kaufmann spiegeln sich auf außergewöhnlichste Weise weltweit bedeutende Ereignisse, Katastrophen, Erschütterungen des letzten Jahrhunderts, die bis in unsere Gegenwart wirken.

Walter Kaufmann blieb bis zu seinem Tod unermüdlich kämpferisch. Er setzt mit seinem Leben ein nachwirkendes Zeichen gegen jede Form von Rechtsruck und Antisemitismus, die wieder bedrohliche  Ausmaße in unserem Land angenommen haben. Der Film ist ein Appell an uns Lebende, die elementaren Menschenrechte und demokratischen Errungenschaften entschlossen zu verteidigen.

Der Film folgt den wesentlichen Lebenslinien und weltweiten Erfahrungen des Protagonisten. Walter Kaufmann erlebte als Jude persönlich die katastrophalen Folgen des Nationalsozialismus. Als Schriftsteller und Korrespondent nahm er regen Anteil an der Bürgerrechtsbewegung in den USA, am Prozeß gegen Angela Davis, an der Revolution in Kuba, den Auswirkungen der Atombombenabwürfe in Japan, der unendlichen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes, der Entwicklung und dem Zusammenbruch der DDR. Der Film bietet jüngeren und älteren Zuschauern eine letzte Gelegenheit, die Welt aus der Perspektive dieses einzigartigen Zeitzeugen vermittelt zu bekommen.

1924 kommt er als Sohn namens Jizchak der armen, jungen polnischen Jüdin Rachel Schmeidler in Berlin zur Welt. 3 Jahre später adoptiert ihn ein wohlhabendes Duisburger Ehepaar. Im Gegensatz zu seinen Adoptiveltern Johanna und Sally Kaufmann konnte Walter Kaufmann der Vernichtung durch die Nazis entkommen, rettete sich als Jugendlicher mit einem Kindertransport nach England. Wurde dort interniert und mit dem berüchtigten Schiff „Dunera“ von den Engländern nach Australien verfrachtet, wo er noch fast zwei Jahre in einem Internierungslager verbringen mußte.

Er wurde australischer Soldat, Hochzeitsfotograf, Seemann und später preisgekrönter Schriftsteller. Bewußt entschied er sich Mitte der 50iger Jahre für ein Leben in der DDR. Er behielt seinen australischen Paß, durfte als Journalist und Schriftsteller ausreisen und verarbeitete diese Erfahrungen in zahlreichen Reportagen und Büchern, die in der DDR in extrem hohen Auflagen erschienen. Von 1985 bis 1993 stand er als Generalsekretär dem PEN-Zentrum vor. Hochrangige Auszeichnungen wie der Fontane-Preis, der Heinrich-Mann-Preis sowie der Literaturpreis Ruhr wurden ihm zugesprochen.

Ein wichtiges im Film wiederkehrendes dramaturgisches Element ist die Umsetzung des Briefwechsels von Sally und Johanna Kaufmann mit ihrem Adoptivsohn Walter. Dieser erhaltene bewegende Austausch beginnt mit dem Kindertransport von Walter Kaufmann nach England und endet an dem Tag der Deportation der Eltern nach Theresienstadt.

Alle Infos, Trailer, Downloads: www.walterkaufmannfilm.de

FSK: ab 12 Jahre / Länge: 101 Minuten / Produktion und Verleih: Karin Kaper Film Berlin

Kamera: Tobias Rahm, Dirk Szuszies und Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt

Musik: Benedikt Schiefer

Schnitt: Tobias Rahm und Dirk Szuszies

Sounddesign/Tonmischung: Marx Audio Berlin

 Projektträger: Internationales Auschwitz Komitee e.V.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages,

321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V., der FFA und

der Kurt und Hildegard Löwenstein/Losten Stiftung